28 Juli, 2020

Warum kauft sich jeder während der Pandemie ein Fahrrad?

Seit Beginn der globalen Pandemie steigen die Fahrradverkäufe auf der ganzen Welt. Geschäfte verzeichnen einen massiven Anstieg neuer Radfahrer, die ihre Freiheit zurückgewinnen, an die frische Luft und gleichzeitig die soziale Distanz wahren oder ihre körperliche Aktivität steigern wollen, denn Fitnessstudios und andere Sportstätten sind geschlossen.

Branchenexperte Jay Townley zufolge sind die Fahrradverkäufe seit der Ölkrise in den 1970er Jahren nicht mehr so stark gestiegen. Auch die Verkaufszahlen von E-Bikes verzeichnen weltweit ein beträchtliches Wachstum, wobei der niederländische E-Bike-Hersteller VanMoo ein massives Wachstum in Deutschland (+226 Prozent), Großbritannien (+184 Prozent), den Niederlanden (+140 Prozent), den USA (+138 Prozent) und Frankreich (+92 Prozent) vorweisen kann.

Radfahren: die sicherere und gesündere Alternative zum öffentlichen Nahverkehr?

Während langjährige Radfahrer schon immer den gesundheitlichen Nutzen, die Bequemlichkeit und das Gemeinschaftsgefühl kennen, das durch das Radfahren entsteht, haben Dinge wie Quarantäne und Social Distancing das Radfahren einer ganz neuen Gruppe von Menschen näher gebracht. Trek Bicycle hat eine neue Umfrage veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass 85% der Amerikaner das Fahrrad für eine sicherere Alternative zum öffentlichen Nahverkehr halten. Fahrradbesitzer heben auch die mit dem Radfahren verbundenen Vorteile für die psychische Gesundheit hervor. In der gleichen Umfrage wurde festgestellt, dass 63% der Amerikaner der Meinung sind, dass Radfahren während der COVID-19-Pandemie zum Stressabbau beiträgt, und 27% der Amerikaner, die ein Fahrrad besitzen, nutzen das Fahrrad zur Entspannung.

Von der Ungewissheit zum Umsatzboom

Auch kleinere Fahrradgeschäfte stellen einen enormen Umsatzanstieg fest. Während der Anfangsphase des Pandemie-Lockdowns erlitt der Fahrradmarkt einen Rückschlag erlitt. Jetzt, wo Geschäfte wieder teilweise öffnen können und Online-Händler Social-Distancing-konforme Lieferoptionen anbieten, sagen die Besitzer, dass die Käufe durch die Decke gegangen sind. Ein Ladenbesitzer im kanadischen Calgary sagt, dass nach einem Umsatzrückgang von 75% im April, der Umsatz im Mai innerhalb einer Woche so hoch wie sonst in einem ganzen Monat. Ein traditionsreiches Geschäft in Miami musste beinahe dauerhaft schließen, doch der enorme Zustrom von Fahrradkäufern wendete das Blatt komplett.

Eine vorübergehende Modeerscheinung oder ein Wandel in der Mobilitätskultur?

Angesichts dieses plötzlichen Umsatzanstiegs werden sich viele fragen, ob das Fahrrad nur eine weitere vorübergehende Modeerscheinung ist oder auch in Zukunft ein größerer Teil der Mobilitätskultur bleiben wird. Susan Eustis, CEO von WinterGreen, merkt an, dass einige Wissenschaftler voraussagen, dass die Risiken von COVID-19 für die nächsten drei Jahre bestehen bleiben werden, weshalb sie davon ausgeht, dass das Radfahren in dieser Zeit weiterhin beliebt sein wird. Während wir uns nach und nach an die „neue Normalität“ gewöhnen, suchen die Menschen nach nachhaltigen Transportmitteln, die es ihnen ermöglichen, nach draußen an die frische Luft zu kommen, von A nach B zu gelangen, aktiv zu bleiben, während sie gleichzeitig die Social Distancing-Richtlinien zu respektieren.

Wir erleben einen kulturellen Wandel hin zum Radfahren als neue Norm. Wir sind gespannt, wie die Städte auf diese wachsende Gemeinschaft von Radfahrern und Freunden smarter Verkehrsmittel reagieren werden, – hoffentlich mit nachhaltigeren Verkehrsmitteln (und viel mehr Fahrradspuren!).

Welche Veränderungen sehen Sie in Ihrer Stadt?

In Montreal sind die Fahrradregale immer noch leer, weil die die Menschen Teil der Fahrrad-Community werden wollen!

 

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